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Tourenbericht – Die Glockner Runde

Recht spontan ging es im Juli für eine Woche in die Alpen. Die Idee war es, wie auch im letzten Jahr wieder eine mehrtägige Hüttenwanderung durch hochalpines Gelände zu unternehmen.  So sind wir auf die Glockner Runde gekommen, bei der der höchste Berg Österreich in einer Woche umrundet wird. Die Tour haben wir dann etwas angepasst, die Etappen verlängert und die Übernachtungshütten ausgewählt. Hier gibt es eine Karte zur Tour wie wir sie gemacht haben.

Tag 1: Wir starteten um 3 Uhr morgens Richtung Süden. Keine gute Zeit um entspannt in den Urlaub zu starten, aber wir wollten am Samstag noch eine Etappe schaffen, also blieb uns keine Wahl. Um 12 Uhr erreichten wir das Parkhaus am Alpenhaus Kesselfall in Kaprun, wo wir kostenlos parken konnten. Dann ging es noch mit Bus, Schrägwandaufzug und noch einem Bus hoch zum Stausee Mooserboden. Durch die Stauseen wird der Strom für die Region produziert. Die Stauseebetreiber haben dort zusätzlich ein Ausflugsziel geschaffen, bei dem man ohne größeren Aufwand auf über 2000 Meter kommt. Kurz hinter der Staumauer haben wir die Touristen hinter uns gelassen und sind am Stausee entlang Richtung Rudolfshütte gewandert. Leider wurde das Wetter schnell schlechter und nach kurzer Zeit mussten wir schon unsere Regensachen auspacken. Da es noch früh in der Saison war(diese beginnt in der Regel erst Mitte Juni und Endet Mitte September), haben die ersten Schneefelder auch nicht lange auf sich warten lassen. So gingen wir Stunde um Stunde durch Regen und Schneeregen von oben und nassen Schnee von unten. Nachdem wir den höchsten Punkt der Etappe (2621m) hinter uns gelassen hatten, und den Tauernmoossee im Tal sahen dachten wir die Hütte sei nicht mehr weit. Leider lag die Hütte nicht am Tauernmoossee sondern am Weißsee, was bedeutete, dass wir noch einmal ganz ins Tal und dann wieder ganz herauf mussten.  Zwischendurch haben wir bei der Hütte angerufen und gefragt bis wann es Abendessen gibt. Uns wurde gesagt, bis 8 Uhr könnten wir essen, das spornte uns zusätzlich zur Eile an.

Die Rudolfshütte heißt eigentlich Berghotel Rudolfshütte und das ist sie auch, ein Skihotel. Sehr groß, mit eigenem Lift, der in das Hotel führt (die Anreise mit Rollkoffer ist möglich), dazu Wellness und Livemusik am Abend. Als wir nass und fertig ankamen war es schon nach sieben Uhr. Wir hatten Lager gebucht und waren alleine dort was uns sehr freute. Außerdem gab es einen Trockenraum, in dem unsere nassen Sachen bis zum morgen wieder trocken wurden. Um viertel vor acht haben wir dann noch das Buffet gestürmt und die Reste abgeräumt. Vielleicht wurde uns aus dem Grund das Abendessen nicht berechnet.

Fakten:

Entfernung: 14,3 km
Dauer: 6 Stunden, 28 Minuten und 39 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,2 km/h
Minimale Höhe: 1972 m
Maximale Höhe: 2621 m
Anstieg (insgesamt): 1209 m
Gefälle (insgesamt): 950 m

Tag 2: Die Schuhe waren wieder trocken, der Wetterbericht versprach aber keine Besserung. Und dabei stand uns eine der anspruchsvollsten aber auch schönsten Etappen bevor – mit bester Sicht auf die Glocknergruppe. Gesehen haben wir an dem Tag nichts außer Nebel und Regen. Trotzdem war es ein schöner Weg, der sich entlang der Hänge in Richtung Süden zog. Zwischendurch gab es viele Schneefelder, die wir queren mussten. Manche waren so steil, dass man beim Abrutschen keinen Halt mehr gefunden hätte. Bei einigen wartete am Ende des Schneefeldes eine Steilwand, was uns schon ein wenig Respekt einflößte. Gespurt waren die Schneefelder auch nicht, erst am dritten Tag haben wir einen andere Wanderer auf der Tour getroffen. Gegen Nachmittag kam zum Regen auch noch ein starker Wind, der die kalten Finger in den nassen Handschuhen noch mehr Schmerzen ließ. Als wir endlich bei der Sudetendeutschen Hütte ankamen freuten wir uns über den warmen Kamin im Gästeraum. Auch hier war das Glück auf unserer Seite. Das 10 Betten Lager unterm Dach hatten wir für uns. Ansonsten waren nur eine handvoll anderer Gäste dort. Der Kamin im Trockenraum war leider nicht an, wir durften aber unserer Schuhe auf dem Kamin im Gästeraum trocknen.

Fakten:

Entfernung: 16,0 km
Dauer: 7 Stunden, 31 Minuten und 7 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,1 km/h
Minimale Höhe: 2201 m
Maximale Höhe: 2844 m
Anstieg (insgesamt): 1278 m
Gefälle (insgesamt): 997 m

Tag 3: Eigentlich hatten wir für diese Etappe einen Gipfel eingeplant. Wir wollten von der Sudetendeutschen Hütte auf den Großen Muntanitz (3232m) steigen. Von dort soll man einen spektakulären Ausblick auf die Berge der Granatspitzgruppe und der Glocknergruppe haben.  Da es aber nicht so aussah, als könne man mehr als 50 Meter weit sehen und weil es beim Frühstück wieder zu schneien anfing, haben wir diesen Plan verworfen. Also machten wir uns direkt auf den Weg Richtung Kals, einem Dorf, dass im Tal liegt und wo wir für die nächste Nacht eine Übernachtung geplant hatten. Und nachdem wir durch eine Scharte ins Nachbartal gestiegen waren ließ sich zum ersten Mal die Sonne blicken. Gegen Mittag war vom schlechten Wetter nicht mehr übrig. Die Regensachen wurden verpackt und es ging mit guter Laune Richtung Tal. Dann trafen wir den ersten Wanderer der Tour, der in entgegengesetzter Richtung unterwegs war. Er hatte zuvor die Blauspitze besucht, zu der wir einen kleinen Umweg machten, nachdem uns er Muntanitz verwehrt blieb. Von dort hatten wir einen schönen Ausblick ins Tal und konnten zum ersten Mal den Gipfel vom Großglockner zwischen den Wolken sehen.

Nach einem schier endlosen Bergab über Wege und Skipisten erreichten wir den kleinen Ort Kals. Nachmittags war es schon wieder so warm, dass wir uns auf dem Balkon bräunen konnten. Abends gab es Pizza, im Bett, das war am einfachsten.

Fakten:

Entfernung: 14,3 km
Dauer: 7 Stunden, 16 Minuten und 23 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,0 km/h
Minimale Höhe: 1370 m
Maximale Höhe: 2834 m
Anstieg (insgesamt): 406 m
Gefälle (insgesamt): 1715 m

Tag 4: Morgens war klar, es ist T-Shirt Wetter und der Wetterbericht sagte auch für die nächsten Tage nur gutes voraus, also wurden die Regensachen ganz weit unten im Rucksack verstaut. Da wir (aufgrund von fehlenden Übernachtungsmöglichkeiten am Berg) am Tag vorher ins Tal abgestiegen waren hieß es auf der heutigen Etappe wieder jede Menge Höhenmeter nach oben gut zu machen. Wir starteten leicht bergauf, bevor wir abbogen und einem sehr steilen grasbewachsenen Weg herauf folgten. Nach vielen Serpentinen öffnete sich vor uns ein grünes Tal mit Alm an dessen Ende der Großglockner mit seinem Gletscher thronte. Dieser Weg war uns als schöner als der Standardweg beschrieben worden, jetzt wussten wir warum. Unser Weg führte uns an der rechten Seite des Tals stetig nach oben und immer näher an den höchsten Berg Österreich. Zwischendurch, beim Pause machen konnten wir ein Murmeltier ganz der Nähe beobachten, wie es die Blüten der Pflanzen fraß. Unser Ziel war die Stüdlhütte, eine der Ausgangshütten für die Besteigung des Großglockners. Da es wieder gutes Wetter war, war dort viel los, alle wollten auf den Berg. Somit hatten wir das das erste Mal kein Lager für uns alleine. Da wir recht früh an der Hütte waren, machten wir nach einer Pause eine kleine Tour auf die Schere, dem Hausberg der Stüdlhütte. Von dort hat man den besten Blick auf die Gletscher, den Glockner und die umliegenden Berge.  Abends gab es ein großes Buffet, gar nicht Hütten-Like. Gut war es trotzdem.

Fakten:

Dienstag, 4. Juli 2017 08:48 MESZ
Entfernung: 10,8 km
Dauer: 4 Stunden, 52 Minuten und 39 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,2 km/h
Minimale Höhe: 1353 m
Maximale Höhe: 2813 m
Anstieg (insgesamt): 1539 m
Gefälle (insgesamt): 78 m

Fakten Schere:

Dienstag, 4. Juli 2017 14:48 MESZ
Entfernung: 1,3 km
Dauer: 1 Stunden, 6 Minuten und 46 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 1,2 km/h
Minimale Höhe: 2814 m
Maximale Höhe: 3099 m
Anstieg (insgesamt): 293 m
Gefälle (insgesamt): 8 m

Tag 5:  Es ging durch eine Scharte in Richtung Salmhütte. Der Aufstieg über den erdigen Boden war wohl einer der steilsten der Tour. Die Salmhütte hatten wir schnell erreicht. Wir nutzten den Zwsichenstop um etwas zu essen und die Wasservorräte aufzufüllen. Die kleine Salmhütte gehört zu den ältesten Hütten im Aplenraum. Aktuell wird ein Anbau errichtet, der mehr Platz bieten soll. Anschließend ging es weiter in Richtung Glocknerhaus. Da wir wussten, dass der nächste Tag sehr anspruchsvoll werden würde, wollten wir eigentlich keine Umwege gehen. Als wir aber vom Kamm des Berges runter auf das Glocknerhaus blicken konnten (und wir erst Mittags hatten) entschieden wir noch einen Umweg über die Pasterze zu machen.  Die Pasterze ist der größte Gletscher Österreichs und damit natürlich auch ein Touristenmagnet. Dazu trägt bei, dass man den Gletscher bequem über die Großglockner-Hochalpenstraße erreicht. Am Ende der Straße gibt es alles was das Touristenherz höher schlagen lässt. Souvenirshops mit Plüsch Murmeltieren, Ausflugsrestaurants, usw. Nach mehreren Tagen in den Bergen war das ein harter Kontrast. Der Umweg über die Pasterze ist aber trotzdem empfehlenswert. Auch wenn man den Touristenmassen sehr nahe ist, sind nur nur ganz am Ende anderen Besuchern begegnet. Leider war das Glocknerhaus ein Reinfall auf ganzer Linie. Es ist zwar eine Alpenvereinshütte, liegt aber auch direkt an besagter Straße und zielt scheinbar mehr auf Tagestouristen als auf Wanderer ab. Abends war nicht viel los, im Lager waren wir mit einer weiteren Person. Das Personal glich einer Freakshow, ein Großteil war betrunken oder verhaltensgestört. So wurde es aber immerhin nicht langweilig.

Fakten Teil 1:

Entfernung: 10,3 km
Dauer: 3 Stunden, 52 Minuten und 6 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,7 km/h
Minimale Höhe: 2433 m
Maximale Höhe: 2837 m
Anstieg (insgesamt): 496 m
Gefälle (insgesamt): 857 m

Fakten Teil 2:

Entfernung: 9,2 km
Dauer: 2 Stunden, 53 Minuten und 13 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3,2 km/h
Minimale Höhe: 2009 m
Maximale Höhe: 2444 m
Anstieg (insgesamt): 546 m
Gefälle (insgesamt): 857 m

Tag 6: Wir wussten, es würde der längste und härteste Tag der Tour werden. Also standen wir pünktlich um 6 Uhr (früher gab es nichts) zum Frühstück bereit.  Obwohl wir am Abend vorher mehrfach mit dem Hüttenwirt darüber gesprochen hatten, konnte er sich nicht mehr daran erinnern.  Trotzdem verließen wir gegen 6:30 Uhr das Glocknerhaus und machten uns auf den Weg. Schweigend stiegen wir auf über 2600m auf um auf der anderen Seite über einen Gletscher abzusteigen. In der Nacht hatte es gewittert. Die Schneefelder waren spiegelglatt, trotzdem beeilten wir uns, denn wir mussten bis 13 Uhr in Fehrleiten sein, da wir von dort den Bus nach Fusch nehmen wollten. Dort fahren nur ca. 4 Busse am Tag, daher durften wir nicht zu spät kommen. Da wir am selben Tag noch  den Aufstieg zur Gleiwitzer Hütte machen wollten mussten wir den Bus nehmen um nicht zu spät anzukommen.

Nachdem wir den höchsten Punkt hinter uns hatten hieß es nur noch absteigen. Den langsam in der Morgensonne weich werdenden Gletscher konnten wir recht einfach absteigen / runter rutschen. Wir waren so gut in der Zeit, dass wir noch eine Pause in der Trauneralm machen konnten.

In Fusch angekommen waren es 30 Grad. Ab dort ging es steil bergauf. Zum Glück durch Wald und zum Glück kamen wir an jeder Menge Wasserfällen vorbei, an denen wir uns etwas kühlen konnten.  Nach 1344 m Bergauf war dieser lange Tag dann endlich geschafft. Die Gleiwitzer Hütte empfing uns mit kühlen Getränken, leckerem Essen, netten Leuten und wen wundert es, einem Lager für uns alleine.

Fakten 1: Glocknerhaus – Ferleiten

Entfernung: 16,7 km
Dauer: 5 Stunden, 4 Minuten und 31 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3,3 km/h
Minimale Höhe: 1154 m
Maximale Höhe: 2689 m
Anstieg (insgesamt): 713 m
Gefälle (insgesamt): 1687 m

Fakten 2: Fusch – Gleiwitzer Hütte

Entfernung: 8,4 km
Dauer: 2 Stunden, 40 Minuten und 44 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3,1 km/h
Minimale Höhe: 834 m
Maximale Höhe: 2171 m
Anstieg (insgesamt): 1344 m
Gefälle (insgesamt): 7 m

Tag 7:  Wir hatten auf der Gleiwitzer Hütte zwei andere Bergsteiger aus Wien kennen gelernt, die von dort über den Gleiwitzer Höhenweg zum Hohen Tenn aufsteigen wollten.  Da die beiden keine Steigeisen dabei hatten, planten wir unsere letzte Etappe etwas um und gaben ihnen unsere Ausrüstung als sich unsere Wege trennten und wir ins Tal abstiegen. Da die Tour der beiden sehr lang war, machten wir uns schon um 6 Uhr auf den Weg. Es ging über 1100m hoch, der Weg war sehr anspruchsvoll und fast durchgehend seilversichert. Oben angekommen hatten wir eine tolle Aussicht auf den Stausee Mooserboden, bei dem wir gestartet sind und zu dem wir auch wieder abstiegen. Anschließend gönnten wir uns noch eine Nacht in Kaprun, waren in der örtlichen Therme und lecker essen.

Fakten: Entfernung: 11,9 km
Dauer: 5 Stunden, 38 Minuten und 37 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,1 km/h
Minimale Höhe: 2040 m
Maximale Höhe: 3069 m
Anstieg (insgesamt): 975 m
Gefälle (insgesamt): 1110 m

Eine Woche Trekking – Die Zillertal Runde

Eine der bekanntesten Mehrtagestouren der österreichischen Alpen ist der Berliner Höhenweg, der, wenn er um ein paar Etappen erweitert wird, eine Runde um das Zillertal bildet. Die Zillertal Runde bietet hochalpines Gelände, grandiose Ausblicke und anspruchsvolle Etappen abseits von Orten und Straßen.  Die Übernachtung erfolgt in DAV Hütten wo man Abends neben einem Bett im Lager auch ein Warmes Abendessen und manchmal sogar eine Dusche erhält.  Buchen kann man die Übernachtungen bequem online im Paket.  Die Reservierung wird für einen übernommen. So muss man nicht selber bei jeder Hütte anrufen.

Wir waren Anfang September auf der Zillertal Runde unterwegs. Als wir dort waren, war die Saison schon fast vorbei. Der Weg ist aufgrund der Höhe nur von Mitte Juni bis Mitte September begehbar, da ansonsten zu viel Schnee liegt.

Gestartet sind wir im Tal im Ort Mayrhofen,  bei bestem Wetter, was uns schnell ordentlich ins schwitzen brachte, denn es ging den ersten Tag nur bergauf. Offiziell startet der Weg erst im Nachbar Ort Finkenberg, allerdings wollten wir eine richtige Runde daraus machen und sind am Zielpunkt, wo unser Auto stand, gestartet.  Von 600 hm ging es rauf auf 1900 hm zur Gamshütte. Dort gab es das erste Abendessen und die erste Übernachtung im Lager mit 12 anderen Personen.

Am nächsten Tag mussten wir früh raus, denn die zweite Etappe, von der Gamshütte zum Friesenberghaus war mit 1100 hm rauf, 540 hm runter und einer Gehzeit von 9 Stunden angegeben. Der Weg verlieft den ganzen Tag entlang von steilen Grasflanken und Geröllfelder mit großem Blockwerk. Bis zum Nachmittag hatten wir strahlenden Sonnenschein. Dann zog es sich zu und es begann in der Ferne zu donnern.  In dem Moment, in dem wir beschlossen die Regenjacken aus zu packen ging es auch schon los. Ohne Regenhose, Jacken und Hülle für den Rucksack wären wir in Minuten komplett nass gewesen. So kamen wir dann bei Regen am Frisenberghaus an,  in dem es für 3€ eine heiße Dusche gab.

Am Abend hatte der Hüttenwirt uns noch den Wetterbericht durchgegeben, die Nacht sollte es regnen /schneien, es am nächsten Mittag aber besser werden. Als wir aufwachten, war es zwar nicht weiß, aber nass, windig und nebelig. Also zogen wir die Regensachen wieder an,  die die Nacht im Trockenraum verbracht und machten uns auf den Weg zum Furtschaglhaus. Die Olperer Hütte, die nach zwei Stunden auftauchte nutzten wir für ein zweites Frühstück. Dort wäre auch eine Übernachtung möglich gewesen, doch wir wollten noch ins Tal zum Stausee Schlegeisspeicher absteigen und von dort den Aufstieg zum Furtschaglhaus auf 2295 hm machen. Wie angekündigt ließ der Regen mittags nach und es wurde wieder warm, abends aber wieder schlechter, was uns nichts gutes für die nächste Etappe ahnen ließ.

Am nächsten Morgen stand die Überschreitung des Schönbichler Horns, dem höchsten Punkt der Tour (3134 hm) an.  Diese Etappe gilt als die anspruchsvollste und der Wirt hatte uns am Abend schon keine besonders große Hoffung gemacht, dass die Überschreitung zur Berliner Hütte klappe. Am nächsten Morgen hatten wir Gewissheit, es hatte die ganze Nacht geschneit und war nebelig. „Zu gefährlich“ sagte der Wirt und schickte und den selben Weg, den wir gekommen waren zurück ins Tal zum Schlegeis. Dort unten fuhr uns ein Bus bis zum Eingang des nächsten Tals, von wo aus wir  den Aufsteig zur Berliner Hütte angingen. Die Berliner Hütte ist die größte im Alpenraum. Über 200 Betten, sehr unpersönlich aber auch beeindruckend anzuschauen.

Am nächsten Morgen war das Wetter endlich wieder super. Und es stand eine sehr abwechslungsreiche und anspruchsvolle Etappe über die Mörchenscharte bis zur Greizer Hütte an.  Am Tag mussten wir 1200 hm bergauf unf 1100 hm bergab meistern. Die Greizer Hütte konnten wir schon früh sehen, als wir in der Mörchenscharte standen, allerdings mussten wir um diese zu erreichen noch einmal komplett ins Tal absteigen und auf der anderen Seite erneut aufsteigen. Der Weg war teilweise sehr steil und daher mit Seilen und einer Leiter gesichert.

Am nächsten Tag ging es zur Kasseler Hütte. Die Wegbeschreibung war ähnlich. Bergauf, durch eine Scharte (Lapenscharte) und dann im nächsten Tal zur Hütte. Der Unterschied war, dass wir nicht wie am Tag vorher durch das Tal mussten, sondern das Tal umrunden konnten, so dass es mehr Kilometer, aber weniger Höhenmeter waren.  Die Hütte empfing uns mit dem größten Schlaflager der Woche (28 glaube ich), einem sehr netten Hüttenwirt und gutem Kaiserschmarrn.

Zum Ende hin sollte noch mal ein richtiger Kracher anstehen. 9 Stunden Gehzeit, etliche Höhenmeter, große Blockgelände, steile Kletterstellen und kein Notabstieg. Also ging es sehr früh los, die Wasservorräte aufgefüllt und mit einem Lunchpaekt von der Hütte. Der Weg war sehr abwechslungsreich und trotz der angegeben Länge der Strecke hatten wir genug Zeit ausgiebige Pausen zu machen. An unserem letzten Rastpunkt konnten wir mit Blick über die Felskante bereits die Karl-von-Edel Hütte und weit darunter Mayrhofen erkennen.

Am nächsten Morgen ging es für uns Richtung Tal. Da wir noch die Heimfahrt vor uns hatten, sparten wir uns die 1600 hm bergab und wanderten statt dessen in einer Stunde zur Bergstation der Ahornbahn, die uns in wenigen Minuten wieder ins Tal brachte.

Insgesamt haben wir in der Woche ca 80 km und 8000 hm bergauf sowie 8000 hm bergab erwandert.

Familientreffen im Allgäu

Im Oktober war ich für eine Woche in Sonthofen im Oberallgäu.  Grund war ein jährlich stattfindendes Familientreffen. Da das Allgäu als Urlaubsregion mit den grandiosen Allgäuer Alpen punkten kann hatte ich im Vorfeld Mountainbike Touren rausgesucht und auch die Wanderschuhe eingepackt. Trotz nicht immer guten Wetters hat ein Großteil des Familientreffens draußen in der Natur stattgefunden. Oftmals in der großen Gruppe, wandernd, oder auf dem Fahrradsattel zu zweit oder zu dritt.

Von Frankreich schnell mal nach Italien

Eigentlich wollten wir uns bei dieser Tour ja nur einem Land, Frankreich, widmen. So ganz hat das am Ende dann doch nicht geklappt. Nachdem wir das Languedoc mit tollem Wetter, baden in klaren Flüssen und Seen und Kayak-fahren an der Ardèche hinter uns gelassen haben sah unser Plan vor einen Abstecher über die französischen Alpen zu machen und am Mont Blank Massiv wandern zu gehen. Zuvor hatte sich mein Uni-Freund Olli  gemeldet, der mit seiner Freundin in den Alpe unterwegs war. Also planten wir ein Treffen. Leider war das Wetter in Frankreich und der Schweiz nicht so, dass man auf Berge steigen sollte (oder wollte), also hat Olli die Wetterkarte gecheckt und das italienische Aostatal als gemeinsames Ziel ausgewählt.

Der Weg dorthin führte schon über ein paar anstrengende Pässe, alles um die Reisekasse nicht mit unnötiger Péage zu belasten. In Charmonix standen wir dann aber vor dem Mont Blank Tunnel und der freundliche Kassierer in seinem Häuschen wollte 57€ von uns haben. Die Frage ob wir auch einen Rückfahrt möchten haben wir geschockt abgelehnt und sind für den stolzen Preis in kürzester Zeit unter Europas höchstem Berg vom schlechten Wetter in Frankreich zum guten Wetter in Italien gefahren.

Der Campingplatz, den wir raus gesucht hatten und auf dem wir Abends um 10 Uhr mit Spaghetti begrüßt wurden lag auf 1900 Meter am Ende der Straße und direkt unterhalb des 4000 Meter hohen Grand Paradiso. Was wir nicht bedacht hatten, war dass es auf dieser Höhe nachts ziemlich kalt wird. So sind Olli und Manuela nach der ersten Nacht zu uns in den Camper umgezogen, in dem es dank Standheizung erträglich war.

Mit einem geliehenen Wanderführer vom Campnachbarn ging es für uns auf 2700 Meter zur Rifugio Vittorio Emanuele II, der Hütte, von der der als einfach geltende 4000 bestiegen wird. Nachdem wir unsere Mittagspause dort verbracht haben, sollte es laut Führer in ca. zwei Stunden wieder zurück zum Campingplatz gehen. Leider gab es diesen Weg nicht (mehr) und wir mussten bis zur nächsten Hütte Refugio Federico Chabod laufen,  um wieder absteigen zu können. Zwischenzeitlich dachten wir, wir müssten auf der zweiten Hütte übernachten, da es schon dunkel wurde. Als wir dann völlig fertig wieder im Tal waren, mussten wir noch einige Kilometer die Straße bergauf zum Campingplatz. Zum Glück kam zufällig ein Auto vorbei, dass Olli nach oben brachte, der uns kurze zeit später mit seinem Wagen abholte.

Am nächsten Tag haben wir es dann ganz ruhig angehen lassen, haben Burger gegrillt und Lagerfeuer gemacht, bevor es für uns nach Haus und für die anderen beiden weiter in Richtung Süden ging.