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Urbex im Baltikum

Das Baltikum hat durch seine sozialistische Vergangenheit viele verlassene Orte zu erkunden, dachte ich vor der Reise.

Allerdings hat sich diese Annahme dann nur zum Teil bewahrheitet. Viele Orte waren doch noch (oder wieder) in Benutzung.

Das Gefängnis Patarei in Tallinn liegt mittlerweile in einem aufstrebenden Vierteil mit jeder Menge neuer Gebäude. Die Zugänge des Gefängnis sind alle verschlossen werden, teilweise ist das Gebäude vermietet.  Was genau in der Zukunft aber mit dem Ort geschehen soll steht aktuell nicht fest.

Ganz in der Nähe befindet sich die Linnahall, eine Multifunktionshalle mit Konzertsaal und Eisfläche,  die zu sozialistischen Zeiten Architekturpreise gewonnen hat. Vom Dach der Hallle hat man einen guten Ausblick auf die Ostsee und die Altstadt, allerdings findet in der Halle schon lange nichts mehr statt. Die meisten Eingänge sind versperrt, überall bröckeln die Fassaden, aber drinnen wird immer noch der Stillstand verwaltet, auch wenn niemand so recht weiß wie es weiter gehen soll.

Das Gebäude ist durch seine Größe schwer zu erfassen und wäre sicher interessant zu besichtigen. Leider ist das aber aktuell nicht möglich.

 

Die Stadt Skunda-1 in Lettland wurde in der Nähe zur Stadt Skunde erbaut, und war für die Angestellten und Familien einer nahe gelegen geheimen Radarstation. Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus zogen die Menschen fort und überließen die Stadt seinem Schicksal.

Die ehemalige KHD Gasmotoren Produktion in Köln

Am Wochenende habe ich einem historischen Kölner Ort einen Besuch abgestattet, an dem Industriegeschichte geschrieben wurde. Es sind die ehemaligen Werkshallen der Deutz AG, die früher unter anderen Namen firmierte. Die Firma Deutz entwickelte 1867 in der Kölner Innenstadt den ersten Otto-Motor und arbeitete auf dem daraufhin gekauften Firmengelände im Deutzer Norden und Mülheimer Süden mit den Pionieren Gottlieb Daimler, Wilhelm Maybach und später auch Ettore Bugatti am Auto- und Motorbau. Dort wurde die erste Fließbandproduktion von Motoren in Europa installiert, die den Produktionsprozess beschleunigte. Das Unternehmen, dass 1864 unter dem Namen ‚N.A. Otto & Cie‘ gegründet wurde, wurde später zuerst in ‚Gasmotoren-Fabrik Deutz AG‘ und nach einer Fusion im Jahr 1938 in ‚Klöckner-Humboldt-Deutz AG‘ (KHD) umbenannt. Nach einer existenzgefährdenden Schieflage im Jahr 1996 wurde der Konzern im ‚Deutz AG‘ umbenannt unter der er bis heute Motoren herstellt.

Nach dem zweiten Weltkrieg, in dem Kriegsfahrzeuge gebaut und instand gesetzt wurden, lag der Fokus in den Wirtschaftswunderjahren auf dem Bau von Motoren, Lokomotiven, Nutzfahrzeugen sowie Bau- und Landmaschinen.

 Die langjährige Unternehmensgeschichte in Mülheim, Deutz und auch Kalk hat die Stadtteile stark geprägt. Neben den gründerzeitlichen Industriebauten aus rotem Backstein gibt es Wohnsiedlungen, die speziell für die Arbeiter geschaffen wurden. In Zeiten in denen es dem Unternehmen nicht gut ging hatten die Stadtteile mit hoher Arbeitslosigkeit und den daraus entstehenden Problemen zu kämpfen. Heute hat sich die Deutz AG fast komplett zurück gezogen – der Firmensitz ist nun im südlichen Porz. Bis zum Jahr 2017 sollen alle Hallen von der Deutz AG geräumt werden. Dann ist dieses Kapitel Wirtschaftsgeschichte Vergangenheit. Für das Gebiet gibt es große Umbaupläne. Als attraktive Stadtlage in Rhein-nähe haben viele Investoren ein Auge auf die Brachflächen, aber besonders auch auf die Industriedenkmäler geworfen. Die Stadt hat in einem Entwicklungskonzept die Nutzung für das Gebiet beschlossen. So soll neben Wohn- und Büroflächen auch wieder Industrie in den Hallen und Verwaltungsgebäuden angesiedelt werden.

 Der größte zusammenhängende Gebäudekomplex im Mülheimer Süden ist die ehemalige Gasmotoren Gießerei. Errichtet wurden die Backsteinhallen um 1900 – 2002 beendete die Deutz AG die Nutzung. Eine der Hallen wurde als „Möhning-Bau“ berühmt, da die Halle für die Kunst- und Gewerbeausstellung 1902 in Düsseldorf vom Architekten Bruno Möhning entworfen und nach der Ausstellung in Düsseldorf abgebaut und auf dem Werkgelände in Köln neu errichtet wurde.

 Der große Gebäudekomplex ist von außen schwer zu überblicken. Auf der einen Seite schirmen hohe Mauern und kleine Gebäude das Werkgelände ab, auf der anderen Seite ein langer zweistöckiger Bau, in dem die Verwaltung der KHD untergebracht war. Dieser Bau Nummer 23 wird heute teilweise wieder genutzt. Von der Straße aus kann man die endlose Zahl der Hallen, die direkt hinter dem Verwaltungsbau beginnen nicht sehen. Erst wenn man es in die Hallen geschafft hat, kann man sich vorstellen wie viele Menschen hier gearbeitet haben.

Bei der Aufgabe der Hallen wurden fast alle Maschinen demontiert. Was da blieb, erreichbar- und zu Geld machbar war wurde später entfernt. So findet man in keinen Hallen mehr Stromkabel, teilweise sind die Böden aufgerissen um an das Kupfer zu kommen. In vielen Hallen liegen die liegen gelassenen Isolierungen der Kabel Zentimeter dick auf den Böden. In den meisten Hallen hängen Kräne mit kleinen Führerständen, die Leitern dort hoch wurden in den meisten Fällen abgetrennt, vielleicht um Unfälle zu vermeiden. Selbst wann man nur im Erdgeschoss bleibt und nicht auf die Idee kommt auf den teilweise morschen Dächern umher zu spazieren lauern viele Gefahren. Es gibt unzählige Schächte und Löcher im Boden, manche mehrere Meter tief, andere mit Wasser gefüllt. Dort wo das Glas der Dachfenster kaputt ist holt sich die Natur die Hallen zurück. Es wachsen Büsche und Moos bedeckt den Hallenboden. Sprayer haben den Ort schon lange für sich entdeckt. Ein Großteil der Wände sind schon bemalt, leere Farbdosen findet man überall.

Bald wird sich an dieser Stelle viel verändern, das Gelände ist verkauft, die Planungen für die Umgestaltung laufen.

Urbex in Mallorca

Mallorca hat ein paar interessante Lost Places zu bieten. Ein paar davon habe ich diese Woche besucht. Hier die Fotos mit den einzelnen Infos:

An der Westküste befindet sich eine Textilfabrik, die seit vierzig Jahren still steht. Im inneren sieht es aber noch so aus als wäre hier bis gestern gearbeitet worden. Alle Maschinen stehen noch am Platz. Das dieser Einblick in die Textilverarbeitung auf der Insel interessant für Touristen sein kann hat auch ein Geschäftsmann erkannt, der das Objekt gekauft hat und ein Museum eröffnen möchte. Als ersten Schritt wurden alle offenen Zugänge zugemauert. Die Fotos sind durch die Fenster entstanden.

Dieses Kohlekraftwerk von Mallorca hat einen Großteil der Insel mit Strom versorgt bevor es durch modernere Anlagen und ein Unterseekabel ersetzt wurde. Seit dem rostet die Anlage vor sich hin. Die Bevölkerung hat sich gegen einen Abriss entschieden, konkrete Nutzungspläne gibt es aber noch nicht. Die Anlage ist noch gut gesichert und wird durch einen Wachdienst geschützt weshalb wir keine Fotos vom inneren machen konnten.

Viele wohlhabenden Menschen haben sich auf Mallorca eine Ferienvilla errichtet. Es gibt hier Orte die eher an Hollywood erinnern als an ein mallorquinisches Dorf. Die Pläne des britischen Filmmusikproduzenten und mehrfachen Oscargewinners John Barry sich im Landesinneren ein Domizil zu errichten scheiterten. Warum er sich zuerst ein 12.000qm Grundstück kaufte, sich ein großes Herrenhaus mit Pool, mehreren Terrassen, Innenhof und Teich darauf bauen ließ und die Bauarbeiten dann kurz vor Vollendung abbrach ist nicht klar.

Seit dem steht das Gebäude ungenutzt leer und verfällt zusehend. Teilweise sind die abgehangenen Decken mit Stuck schon wieder abgefallen, der Beton ist rissig und die Dächer löchrig.  Von seiner Terrasse hätte John Barry einen grandiosen Blick über das Land auf das 10 Kilometer entfernte Meer gehabt. Heute erfreut sich keiner mehr daran. Außer Tauben und Katzen haben wir niemanden angetroffen.

Ein weiterer Lost Place den wir besucht haben ist eine kleine ehemalige Kaserne oder andere militärische Anlage. Der Komplex liegt am Ende eines kleinen Tals gut versteckt zwischen zwei Bergen. Die Anlage besteht aus mehreren Gebäuden und kleinen Wehranlagen, teilweise direkt an den Berg gebaut. Die Anlage ist komplett leer und wird nur von ein paar Hirten genutzt die dort ihre Ziegen weiden lassen.

Danke an Toni Wittmann, der mir den Tipp für diesen Lost Place gegeben hat.

Buzludzha – Monument der sozialistischen Partei Bulgariens

Buzludzha oder auch Buzludja ist eigentlich nur ein 1400 Meter hoher Berggipfel im Balkangebirge, jedoch befindet sich auf diesem Gipfel ein skurriles riesiges Gebäude, dass die Sozialistische Partei Bulgariens dort 1981 errichtet hat. Ich hatte schon an verschiedenen Stellen Bilder von dem Gebäude gesehen und wollte dort unbedingt hin. Wir waren uns nur nicht sicher, wie wir mit unserem langsamen, schweren Camper auf den Berg kommen sollten. Außerdem wusste unser Navi auch nicht so recht über den Weg Bescheid. Allerdings musste die sozialistische Partei beim Bau Unmengen Beton und Stahl auf den Gipfel bringen, weshalb es zwei breite Straßen gibt. Anscheinend wurde die Straßen schon etwas länger nicht mehr gebraucht, weshalb wir von einem Schlagloch ins nächste holperten. Wir brauchten Ewig bis wir oben waren und es wurde schon dunkel.

Oben angekommen stellen wir uns vor das Gebäude auf einen von Gras überwachsenen Parkplatz. Die Temperatur war bei angenehmen 15°, so dass wir endlich mal wieder ruhig schlafen konnten ohne, dass wir nachts wegen der Hitze aufwachten. Wir waren die ganze Zeit dort alleine, mit Ausnahme einer Gruppe (Wild-?) Pferde, die auf dem Gipfel wohnt und nachts um unseren Camper rum standen.

Morgens sind wir dann die überwachsenen Steinstufen hoch vom Parkplatz zum Gebäude. Neben den Pferden leben dort auch unzählige kleine Vögel die im Schwarm um die Turmspitze flogen.

Das Gebäude steht schon längere Zeit leer und keiner fühlt sich verantwortlich, deshalb ist es auf den zweiten Blick ziemlich verfallen. Bei der Umrundung fanden wir ein kleines Loch durch das man ins Innere gelangen konnte. Der Innenraum wird dominiert durch eine Runde Versammlungshalle. Außerhalb der Halle verläuft eine Galerie mit Fenstern von denen man übers Land blicken kann. Die Versammlungshalle und die Galerie sind mit Wandmosaiken geschmückt, die bulgarische und internationale berühmte Sozialisten zeigen. Leider sind die Mosaike teilweise stark zerstört. Nicht erreichbar, und damit auch nicht zerstört ist das Mosaik mit Hammer und Sichel, das kreisrund in der Mitte der Versammlungshalle hängt. Das Gebäude verfügt auch über eine Eingangshalle (stark zerstört) mit offenen Treppen und mindestens zwei Kellergeschosse, die teilweise unter Wasser stehen. Den riesigen Turm kann man über einen Anbau erreichen. Dafür muss man ein Stockwerk nach unten. Der Turm selber kann auch noch bestiegen werden, oben ist er offen.

Nach unserem morgendlichen Besuch haben wir unsere Sachen gepackt und sind in Richtung Türkei weiter fahren. Nun sind wir auf einem Campingplatz direkt hinter der Grenze, planen die nächsten Tage und waschen.