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Indonesien 2016 – Trekking am Rinjani

Im Vorfeld unserer Indonesien-Reise habe ich mich informiert, welche Möglichkeiten es gibt, die Vulkane, von denen dieses Land ja mehr als Genug hat, zu besteigen. Schnell kam ich auf den Mount Rinjani auf Lombok, mit gut 3700 Metern der zwei höchste. Dort werden mehrtägige Trekkingtouren  angeboten, die man auf der ganzen Insel bei diversen Anbietern buchen kann. Die Touren unterscheiden sich in Länge, Route und dem Equipment. Zu Beginn wollte ich eine 2 Day / 1 Night Tour zum Gipfel machen, dann haben wir uns aber für eine 3 Day / 2 Night Variante entschieden, da dies Route schöner ist und es sich um einen Rundwanderweg handelt.

Der Trip hat ca. 100$ gekostet und beinhaltete einen Guide, Porter, die das Equipment tragen sowie Zelt, Isomatte und Schlafsack und natürlich die Verpflegung.

Früh morgens ging es los. Wir wurden um 5 Uhr im Hotel abgeholt und um die halbe Insel zum Treffpunkt in Senaru gefahren. Auch das war im Preis inklusive. Dort gab es ein Frühstück, wir lernten die anderen Aus der Gruppen kennen – einen Belgier, eine Polin, zwei Frauen aus Malaysia – und bekamen eine kurze Einweisung. Die Länge der Einweisung war für den Verlauf des Trekkings entscheidend, dazu aber später mehr.

Wir wurden gegen halb 8 auf einem Pickup die letzten hundert Meter bis zum Beginn des Nationalparks gefahren und dort abgesetzt. Mit dabei war auch unser sehr junger Führer, der leider nicht gut Englisch sprach. Immerhin sagte er mir, dass er das häufig zwei Mal die Woche macht, Erfahrung sollte er also haben.

Los ging es, durch dichten, wunderschönen Dschungel, vorbei an exotischen Pflanzen, riesigen Bäumen und Lianen – ab und zu sahen wir ein paar Affen. Und obwohl es noch früh war und wir im schattigen Wald waren, war es unglaublich heiß. Die T-Shirts waren nach Minuten durchgeschwitzt, schließlich ging es pausenlos bergauf. Zwischendurch gab es mehrere Pausenplätze, bei denen sich schon diverse Gruppen tummelten. Der Berg war an diesem Tag sehr voll mit Gruppen die starteten, da der Nationalpark die letzte Woche geschlossen war, da der Vulkan ausgebrochen war. Diese Rastplätze waren ganz Asien-Like ziemlich vermüllt. Auch wenn  jeder Tourenanbieter angibt die Natur zu achten und den Müll wieder mit nach unten zu nehmen, sieht es besonders an diesen Plätzen aus wie auf einer Müllkippe.

Gegen 12 Uhr hatten wir die Hälfte der Tagesetappe  – gut 1000 Höhenmeter – geschafft und machten Rast. Unsere Porter, die Träger, die das Gepäck in zwei Körben, die mit einer Bambusstange verbunden sind, den Berg hinauf tragen, waren leider noch nicht da, daher mussten wir erst mal warten bis es Essen gab. Als sie dann da waren startete unser Guide aber direkt mit Tee kochen und Mi Goreng zubereiten. Die Porter halfen beim schnibbeln.

Als mir gerade ein Teller mit Mittagessen in die Hände gedrückt wurde ging es los. Ein paar dicke Tropfen zur Warnung und der Nebel, der über uns aufgezogen war verwandelte sich in einen subtropischen Starkregen. Unser Guide war darauf nicht so wirklich vorbereitet, zum Glück aber die anderen Gruppen, die neben uns Pause machten. Wir flüchteten uns unter die Plane, die dort gespannt war und halfen eine weitere zu spannen.

Stehend, mit dem Rucksack auf dem Rücken aß ich nun mein mittlerweile kaltes Essen, mit dem Kopf die Pläne hochhaltend und mich fragend, ob das heute noch aufhören würde. Inzwischen ging zwischen unseren Füßen ein Bach hindurch, der vom Weg kam. Nach dem Essen hieß es warten bis es aufhört zu regnen. Wir nutzten die Zeit uns mit den anderen auszutauschen. Für den Belgier und die Polin aus unserer Gruppe war das der dritte Versuch den Rinjani zu erklimmen. Der erste Versuch musste wegen dem Ausbruch abgesagt werden, der zweite wegen Regen.

Nun standen wir also da und fragten uns ob unser Guide abbrechen würde.

Tat er aber nicht und nach ca. 2 Stunden hörte es auf zu regnen. Schnell machten sich alle startklar. Die Asiaten hatten Einweg Regencapes dabei, nicht wirklich angenehm und schon gar nicht atmungsaktiv, dafür aber dicht. Unser Guide fragte mich, ob ich keine Regenjacke hätte – ich trug zur der Zeit meine teure Mammut Regenjacke auf die ich deutete. Scheinbar kannte er nur die asiatische Mülltüten Variante. Er meinte meine Jacke  würde nicht reichen und es würde sicher noch mehr regnen.

Mit dieser nicht gerade ermunternden Antwort ging es weiter bergauf. Der Weg war schlammig und die Wurzeln rutschig. Und es dauert nicht lange, da ging es auch schon wieder weiter. Wie eine Dusche ging der Regen runter. Schuhe, Hose und leider auch Rucksack war schnell nass, immerhin hielt die Jacke was der Preis verspricht.

So ging es weiter, Regen, Wolken, Regen, Wolken. Die Baumgrenze hatten wir hinter und gelassen, es schwitzte jetzt niemand mehr.

Gegen 17:30 erreichten wir unser Nachtlager auf 2700 Metern und der Himmel riss kurz vor Sonnenuntergang auf. Wir hatten einen atemberaubenden Blick über Lombok, die Gilis und bis nach Bali. Auch nachts sollten wir einen spektakulären Sternenhimmel und Ausblick auf ein entferntes Gewitter haben.

Vorher mussten wir aber noch raus aus unseren nassen Sachen und besonders begutachten, was im Rucksack noch trocken war. Leider waren die meisten Porter noch nicht da und so standen auch nur die Hälfte der Zelte und wir weiter nass draußen. Als die Porter da waren und wir die restlichen trockenen Klamotten anziehen konnten, stellten wir fest, dass die Schlafsäcke teilweise nass geworden waren. Außerdem gab es nicht die versprochenen Luftmatratzen, sondern nur dünne Jogamatten. Außerdem waren die Schlafsäcke  wie auch die Zelte nicht für europäische Menschen ausgelegt. Der Schlafsack ging mir nicht mal zur Brust und das Zelt war auch zu kurz. Es wurde also eine sehr ungemütliche und kalte Nacht mit allen nassen Klamotten und Schuhen am Fußende. Trotzdem schlief ich sofort nach dem Abendessen gegen 7 Uhr ein und freute mich als ich wach wurde, dass ich die Nacht doch gut überstanden hatte. Leider war es erst 22 Uhr und der morgen noch weit entfernt. Nachdem ich dann die Nacht irgendwie überstanden hatte wurden wir um 6 geweckt. Es gab ein schnelles Frühstück und dann hieß es weiter aufsteigen zum Kratersee mit Ausblick auf den rauchenden Vulkan inmitten des See und auf den Gipfel.

Schon Abends im Zelt hatten wir besprochen, wie es am nächsten Tag weiter gehen soll. Wären die restlichen noch trockenen Klamotten auch noch nass geworden, wäre die nächste Nacht auf über 3000 Metern im Zelt nicht ertragbar gewesen. So fragten wir unseren Guide am nächsten Morgen, wie die Wetterlage wäre und ob ein Regen wie am Vortag häufiger vorkäme. Seine Antwort: „Ja es wird heute wieder so regen. Das ist hier zu der Zeit fast jeden Tag so.“ Diese Aussage hat sich auch mit dem gedeckt, was uns Teilnehmer aus anderen Gruppen berichteten, die morgens auch entschieden abzusteigen. Die Anbieter der Touren informieren die Teilnehmer scheinbar absichtlich nicht, damit sie genug Teilnehmer haben. Ziemlich blöd für uns, denn mit der Info hätten wir uns deutlich besser vorbereiten können. Schließlich hatten wir Regenhose und Drybags zuhause bzw. Im Basecamp gelassen, da uns keiner über das heftige Wetter informiert hatte.

Trotzdem war der Ausblick am Morgen auf den See und den Gipfel, sowie über die ganze Insel wunderschön, so dass sich die Tour gelohnt hat.

Wir entschieden uns zu viert abzusteigen, nur die Frauen aus Malaysia wollten weiter. Sie hatten etwas Bergerfahrung in Asien und waren mit den Plastikregencaps besser gerüstet. Ob die beiden das aber konditionell geschafft haben, waren wir uns an dem Morgen nicht so sicher.

Für uns hieß es also mit nassen Schuhen 2000 Meter absteigen, kein Spaß. Die letzten Hundert Meter  merkten wir auch alle, das die Beine keine Kraft mehr haben. Die nächsten Tage folgte ein kräftiger Muskelkater in den Waden.