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Tourenbericht – Auf die Zugspitze durchs Höllental

Im September wollten wir, bevor der Winter in den Alpen Einzug hält noch eine kurze Tour machen. Da die Zugspitze recht einfach erreichbar ist, und der Aufstieg durch das Höllental spektakulär und anspruchsvoll klang haben wir uns für diese Tour entschieden. Leider sah es in den Tagen davon nicht so aus, als könnten wir das Vorhaben noch in diesem Jahr umsetzen. Für September ungewöhnlich viel Neuschnee in den Ostalpen ließ uns bis zuletzt bangen ob wir die Tour wagen können. Nachdem am Tag vorher aber zwei Gruppen den Aufstieg gemeistert hatten, haben wir uns entschlossen uns auf den Weg nach Süden zu machen. Wegen der langen Anreise wollten wir die Tour nicht an einem Stück machen und haben auf der Höllenthalangerhütte übernachtet. Die Hütte liegt hinter der Höllentalklamm, die tagsüber viele Touristen anlockt. Da wir aber erst um 17 Uhr in Hammersbach ankamen, war dort nicht mehr viel los. Die Hütte war gut besucht, die meisten wollten am nächsten Tag die gleiche Tour machen.  Abends gab es dann noch ein leckeres Bergsteigeressen, in der neuen, gemütlichen Hütte.

Am nächsten Morgen sollte es ab 6 Uhr Frühstück geben. Da es auf der Route an verschiedenen Stellen Stau geben kann entschlossen wir uns das Frühstück ausfallen zu lassen um vor den anderen unterwegs zu sein.

Der Wecker klingelte um 5, um halb 6 waren wir mit Stirnlampen ausgerüstet in vollkommener Dunkelheit unterwegs Richtung Gipfel.  An den ersten Kletterpassagen, der „Leiter“ und dem „Brett“ dämmerte es langsam, so dass diese ohne Probleme machbar waren.  Auf dem grünen Buckel wurde es zunehmend weißer und als wir den Höllentalferner sehen konnten, waren wir bereits auf einer geschlossenen Schneedecke unterwegs. Der hohe Schnee und die kalten Temperaturen halfen uns sehr, das steile Geröllfeld vor dem Gletscher zu passieren.

Auf dem Gletscher war eine eindeutige Spur vom Vortag zu sehen, so dass wir die Spalten gut umgehen konnten.

Am Ende des Gletschers wartete dann eine Herausforderung auf uns.  Die häufig problematische Randkluft war zwar durch den Schnee kein Problem, allerdings musste eine steile Passage ohne Sicherung erklettert werden.

Nachdem wir das gemeistert hatten ging es fast durchgehend seilversichert nach oben, wobei die Sicherungspunkte nicht unter Schnee bedeckt waren.

Am Gipfel angekommen empfing uns um 11 Uhr eine Gruppe Asiaten, die von der Besucherplattform den vereisten Weg zu Gletscher genommen hatten. Sie wollten unbedingt ein Gipfelfoto machen, waren aber komplett unvorbereitet und sorgten für einen langen Stau. Dort oben war es dann mit der Ruhe vom Morgen vorbei. Hunderte Menschen schauten von der Plattform zu uns rüber, es gab „Deutschlands höchste Bratwurst“ und andere seltsame Annehmlichkeiten.

Nach einer kleiner Stärkung an der Münchner Hütte haben wir uns entschlossen über das Reintal abzusteigen und dort in der Reintalangerhütte zu übernachten. Die Knorrhütte auf dem Weg war voll und gefiel uns auch nicht besonders. Als wir gegen 5 Uhr an der Reintalangerhütte ankamen fühlten wir uns sofort wohl. Freundliches Personal, nette Stimmung und direkt am Bach gelegen. Abends war es dann leider nicht mehr so toll. Die Hütte bietet zwar jede Menge Schlafplätze, allerdings nicht genug Sitzplätze, dass alle Gäste drinnen essen können. So mussten wir unsere kleine Portion Abendessen draußen einnehmen, bevor wir uns drinnen noch ein paar Stühle in eine Ecke quetschten.

Auch die Betten waren nicht toll. Zu kurze Betten habe ich bereits erlebt, auch welche, bei denen man so gut wie keine Kopffreiheit hat. Allerdings war eine Matratzenbreite von 40cm wirklich zu wenig. Nachdem ich zwei Stunden versucht hatte einzuschlafen habe ich meine Sachen genommen und bin ich den beleuchteten Flur umgezogen. Meine Nachbarn haben sich gefreut, so hatten bei immerhin 60 cm Platz.

Da wir vorher schon wussten, dass die Nacht nicht so toll werden würde, hat der Wecker wieder um 5 Uhr geklingelt und es gab wieder kein Frühstück für uns. Wir hatten noch 20 km Abstieg zum Auto in Hammersbach vor uns, die aber nur bergab gingen. Eine andere Route, die wir am Abend noch in Betracht gezogen hatten, mussten wir wegen Regens bleiben lassen.

Es war ein anstrengendes Wochenende, mit wenig Schlaf und ordentlich Muskelkater im Anschluss, der Aufstieg durch das Höllental hat sich aber definitiv gelohnt.

Urbex im Baltikum

Das Baltikum hat durch seine sozialistische Vergangenheit viele verlassene Orte zu erkunden, dachte ich vor der Reise.

Allerdings hat sich diese Annahme dann nur zum Teil bewahrheitet. Viele Orte waren doch noch (oder wieder) in Benutzung.

Das Gefängnis Patarei in Tallinn liegt mittlerweile in einem aufstrebenden Vierteil mit jeder Menge neuer Gebäude. Die Zugänge des Gefängnis sind alle verschlossen werden, teilweise ist das Gebäude vermietet.  Was genau in der Zukunft aber mit dem Ort geschehen soll steht aktuell nicht fest.

Ganz in der Nähe befindet sich die Linnahall, eine Multifunktionshalle mit Konzertsaal und Eisfläche,  die zu sozialistischen Zeiten Architekturpreise gewonnen hat. Vom Dach der Hallle hat man einen guten Ausblick auf die Ostsee und die Altstadt, allerdings findet in der Halle schon lange nichts mehr statt. Die meisten Eingänge sind versperrt, überall bröckeln die Fassaden, aber drinnen wird immer noch der Stillstand verwaltet, auch wenn niemand so recht weiß wie es weiter gehen soll.

Das Gebäude ist durch seine Größe schwer zu erfassen und wäre sicher interessant zu besichtigen. Leider ist das aber aktuell nicht möglich.

 

Die Stadt Skunda-1 in Lettland wurde in der Nähe zur Stadt Skunde erbaut, und war für die Angestellten und Familien einer nahe gelegen geheimen Radarstation. Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus zogen die Menschen fort und überließen die Stadt seinem Schicksal.

Baltikum Roadtrip

Im Sommer 2017 waren wir ein paar Wochen im Baltikum unterwegs. Als wir uns dazu entschieden wussten wir nicht viel über die Region, ich verwechselte Lettland und Litauen auf der Karte und wusste nicht was uns dort erwartet. Etwas Recherche später war uns klar, dass die Gegend perfekt für einen sommerlichen Roadtrip ist. Es gibt viel unberührte Natur, keine Einschränkungen bei der Wahl des Übernachtungsplatz, spannende Städte und günstigeren Diesel als bei uns (zumindest ein bisschen).

Wir sind über Weimar, Breslau und Warschau nach Litauen gefahren. Der ursprüngliche Plan war es die Router über Danzig und die russische Enklave Kaliningrad zu wählen. Da Russland aber zu Beginn des Jahres das drei Tages Visum on Arrival gestrichen hat und trotz Ankündigung bisher kein neues Visum (außer das 90 Tage Russland Touristen Visum) geschaffen hat, mussten wir die Ecke auslassen.

In Litauen gestartet sind wir in Kaunas, einer kleinen Stadt (die trotzdem die dritt-größte ist) die seit langer Zeit strategisch und wirtschaftlich wichtig am Zusammenfluss zweier Flüsse liegt. in Kaunas haben wir das erste Mal die lokale Küche probiert. Dazu gehört kalte Rote-Beete oder Radieschen Suppe, Teigtaschen gefüllt z.B. mit Pilzen, Rotkohl, Kartoffeln, und Fleisch, bzw. an der Küste auch viel Fisch.

Die Hauptstadt von Litauen ist Vilnius und liegt nicht weit von der weißrussischen Grenze entfernt. Die Stadt ist ein Mix aus alten Gebäuden verschiedenster Epochen in der Innenstadt, teilweise restauriert, teilweise auch noch darauf wartend, modernen Hochhäusern im CBD und den sowjetischen Mietshäusern in der Vorstadt. Einen tollen Überblick auf die Stadt erhält man vom Burghügel, auf dem der Gediminas Turm, das Wahrzeichen der Stadt thront. Wir hatten einen ruhigen Parkplatz im grünen am Wasser gefunden, von dem man nur 5 Minuten zum Hügel brauchte, so konnten wir die Stadt zu Fuß erkunden.

Die nächste Zeit gibt es für uns an der weißrussischen und anschließend Russischen Grenze Richtung Norden. Die Gegend ist sehr dünn besiedelt, besticht aber mit grandiosen Seen-Landschaften und Wäldern. Ein Problem einen einsamen Schlafplatz zu finden, wo man morgens schnell in den See springen kann hatten wir nie. Schrecklich waren nur die Mücken, die besonders in den Nationalparks zu Millionen auftraten.  Mit dem Grenzübertritt nach Estland ändere sich einiges. Die Sprache erinnert an finnisch und die Anzahl an Ausländern wurde etwas höher. In Lettland und Litauen haben wir nur sehr wenig anderen Urlauber gesehen, in Estland gab es Finnen und Russen die mit ihren Wohnmobilen Urlaub machte.

Da wir in Tartu, einer jungen Studentenstadt, den ersten (und einzigen) Tag mit Regen auf der Reise hatten verbrachten wir den Tag nach einem kurzen Stadtspaziergang im Museum.

Die Städte, und auch kleineren Orte haben wir natürlich auch immer genutzt um die Lebensmittelvorräte aufzufüllen. Da wir beim Blaubeeren sammeln nicht besonders erfolgreich waren und wir vom Pilze sammeln keine Ahnung haben, haben wir diese überaus baltischen Produkte vom Markt bezogen. Bei ca, 4-5 Euro für ein Kilo Beeren oder Pfifferlinge war das sicher nicht verkehrt.

Im Lahemaa Natrionalpark haben wir dann das erste Mal auf der Tour das Meer gesehen und den nördlichsten Punkt des Baltikum besucht.

Tallinn, die Hauptstadt von Estland empfing und mit 25°, einer historischen Altstadt, spannenden alten Bauten, einem geschäftigen Hafen und einer Flut von Kreuzfahr-Touristen. Plötzlich war es nicht mehr außergewöhnlich deutsch zu hören. Zufällig sind wir in eine Free-Walking Tour geraten der wir uns spontan anschlossen und 2 Stunden durch die Altstadt geführt wurden.  Da Helsinki nur 2 Stunden mit der Fähre entfernt liegt, sind wir für 25€ pro Person für einen Tag rüber gefahren und haben uns die finnische Hauptstadt erkundet. Auch hier waren die Kreuzfahrtschiffe, die wir vorher schon in Tallinn gesehen hatten. So unterschiedlich ist unser Urlaub dann doch nicht 😉

Leider ist uns nach Tallinn etwas die Zeit davon gelaufen. Daher sind wir direkt nach Pärnu, dem Stand und Urlaubsort der Esten. Der alte Ort mit seinen Holzvillen hat vor ein paar Jahren eine große schicke neue Strandpromenade bekommen, hinter der wir unter Bäumen übernachten konnten. Das Wetter dort war so heiß, dass wir einen kompletten Strand-Tag eingelegt haben, inkl. Sonnenbrand und baden in der Ostsee (die dort etwas wärmer sein soll als anders wo).

Anschließend gab es ein Wiedersehen mit Lettland, die Hauptstadt Riga wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die Letten, besonders die Bewohner von Riga sind besonders stolz darauf, dass die Tradition des geschmückten Weihnachtsbaumes von dort kommt. In den Anfängen gehörte das Verbrenne des Baumes auch dazu, auch wenn dieses Brauch sich nicht durchgesetzt hat.

Riga besitzt einen riesigen bestand an Wohnhäusern im Jugendstil, die prächtige Fassaden haben und abseits der Altstadt zu finden sind. Wer sich nur nur dort aufhält verpasst wirklich etwas. Hinterm Hauptbahnhof hat Riga einen Markt, bestehend aus mehreren großen Hallen und offenen Plätzen. Hier wird jeden Tag eingekauft. Die einzelnen Hallen sind für Fleisch, Fisch, Gemüse und Obst. Draußen haben sind allerhand Ramsch Stände angesammelt. Wer frische und günstige Lebensmittel sucht ist dort goldrichtig.

Nach Riga haben wir nochmal ein paar Tage die wunderbare Natur genossen, am Meer übernachtet und lecker gegessen. Dann ging es auch schon wieder zurück.  Dieses Mal mit der Fähre von Liepaja nach Travemünde, 27 Stunden auf der Ostsee – zum Glück war das Wetter gut.

Tourenbericht – Die Glockner Runde

Recht spontan ging es im Juli für eine Woche in die Alpen. Die Idee war es, wie auch im letzten Jahr wieder eine mehrtägige Hüttenwanderung durch hochalpines Gelände zu unternehmen.  So sind wir auf die Glockner Runde gekommen, bei der der höchste Berg Österreich in einer Woche umrundet wird. Die Tour haben wir dann etwas angepasst, die Etappen verlängert und die Übernachtungshütten ausgewählt. Hier gibt es eine Karte zur Tour wie wir sie gemacht haben.

Tag 1: Wir starteten um 3 Uhr morgens Richtung Süden. Keine gute Zeit um entspannt in den Urlaub zu starten, aber wir wollten am Samstag noch eine Etappe schaffen, also blieb uns keine Wahl. Um 12 Uhr erreichten wir das Parkhaus am Alpenhaus Kesselfall in Kaprun, wo wir kostenlos parken konnten. Dann ging es noch mit Bus, Schrägwandaufzug und noch einem Bus hoch zum Stausee Mooserboden. Durch die Stauseen wird der Strom für die Region produziert. Die Stauseebetreiber haben dort zusätzlich ein Ausflugsziel geschaffen, bei dem man ohne größeren Aufwand auf über 2000 Meter kommt. Kurz hinter der Staumauer haben wir die Touristen hinter uns gelassen und sind am Stausee entlang Richtung Rudolfshütte gewandert. Leider wurde das Wetter schnell schlechter und nach kurzer Zeit mussten wir schon unsere Regensachen auspacken. Da es noch früh in der Saison war(diese beginnt in der Regel erst Mitte Juni und Endet Mitte September), haben die ersten Schneefelder auch nicht lange auf sich warten lassen. So gingen wir Stunde um Stunde durch Regen und Schneeregen von oben und nassen Schnee von unten. Nachdem wir den höchsten Punkt der Etappe (2621m) hinter uns gelassen hatten, und den Tauernmoossee im Tal sahen dachten wir die Hütte sei nicht mehr weit. Leider lag die Hütte nicht am Tauernmoossee sondern am Weißsee, was bedeutete, dass wir noch einmal ganz ins Tal und dann wieder ganz herauf mussten.  Zwischendurch haben wir bei der Hütte angerufen und gefragt bis wann es Abendessen gibt. Uns wurde gesagt, bis 8 Uhr könnten wir essen, das spornte uns zusätzlich zur Eile an.

Die Rudolfshütte heißt eigentlich Berghotel Rudolfshütte und das ist sie auch, ein Skihotel. Sehr groß, mit eigenem Lift, der in das Hotel führt (die Anreise mit Rollkoffer ist möglich), dazu Wellness und Livemusik am Abend. Als wir nass und fertig ankamen war es schon nach sieben Uhr. Wir hatten Lager gebucht und waren alleine dort was uns sehr freute. Außerdem gab es einen Trockenraum, in dem unsere nassen Sachen bis zum morgen wieder trocken wurden. Um viertel vor acht haben wir dann noch das Buffet gestürmt und die Reste abgeräumt. Vielleicht wurde uns aus dem Grund das Abendessen nicht berechnet.

Fakten:

Entfernung: 14,3 km
Dauer: 6 Stunden, 28 Minuten und 39 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,2 km/h
Minimale Höhe: 1972 m
Maximale Höhe: 2621 m
Anstieg (insgesamt): 1209 m
Gefälle (insgesamt): 950 m

Tag 2: Die Schuhe waren wieder trocken, der Wetterbericht versprach aber keine Besserung. Und dabei stand uns eine der anspruchsvollsten aber auch schönsten Etappen bevor – mit bester Sicht auf die Glocknergruppe. Gesehen haben wir an dem Tag nichts außer Nebel und Regen. Trotzdem war es ein schöner Weg, der sich entlang der Hänge in Richtung Süden zog. Zwischendurch gab es viele Schneefelder, die wir queren mussten. Manche waren so steil, dass man beim Abrutschen keinen Halt mehr gefunden hätte. Bei einigen wartete am Ende des Schneefeldes eine Steilwand, was uns schon ein wenig Respekt einflößte. Gespurt waren die Schneefelder auch nicht, erst am dritten Tag haben wir einen andere Wanderer auf der Tour getroffen. Gegen Nachmittag kam zum Regen auch noch ein starker Wind, der die kalten Finger in den nassen Handschuhen noch mehr Schmerzen ließ. Als wir endlich bei der Sudetendeutschen Hütte ankamen freuten wir uns über den warmen Kamin im Gästeraum. Auch hier war das Glück auf unserer Seite. Das 10 Betten Lager unterm Dach hatten wir für uns. Ansonsten waren nur eine handvoll anderer Gäste dort. Der Kamin im Trockenraum war leider nicht an, wir durften aber unserer Schuhe auf dem Kamin im Gästeraum trocknen.

Fakten:

Entfernung: 16,0 km
Dauer: 7 Stunden, 31 Minuten und 7 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,1 km/h
Minimale Höhe: 2201 m
Maximale Höhe: 2844 m
Anstieg (insgesamt): 1278 m
Gefälle (insgesamt): 997 m

Tag 3: Eigentlich hatten wir für diese Etappe einen Gipfel eingeplant. Wir wollten von der Sudetendeutschen Hütte auf den Großen Muntanitz (3232m) steigen. Von dort soll man einen spektakulären Ausblick auf die Berge der Granatspitzgruppe und der Glocknergruppe haben.  Da es aber nicht so aussah, als könne man mehr als 50 Meter weit sehen und weil es beim Frühstück wieder zu schneien anfing, haben wir diesen Plan verworfen. Also machten wir uns direkt auf den Weg Richtung Kals, einem Dorf, dass im Tal liegt und wo wir für die nächste Nacht eine Übernachtung geplant hatten. Und nachdem wir durch eine Scharte ins Nachbartal gestiegen waren ließ sich zum ersten Mal die Sonne blicken. Gegen Mittag war vom schlechten Wetter nicht mehr übrig. Die Regensachen wurden verpackt und es ging mit guter Laune Richtung Tal. Dann trafen wir den ersten Wanderer der Tour, der in entgegengesetzter Richtung unterwegs war. Er hatte zuvor die Blauspitze besucht, zu der wir einen kleinen Umweg machten, nachdem uns er Muntanitz verwehrt blieb. Von dort hatten wir einen schönen Ausblick ins Tal und konnten zum ersten Mal den Gipfel vom Großglockner zwischen den Wolken sehen.

Nach einem schier endlosen Bergab über Wege und Skipisten erreichten wir den kleinen Ort Kals. Nachmittags war es schon wieder so warm, dass wir uns auf dem Balkon bräunen konnten. Abends gab es Pizza, im Bett, das war am einfachsten.

Fakten:

Entfernung: 14,3 km
Dauer: 7 Stunden, 16 Minuten und 23 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,0 km/h
Minimale Höhe: 1370 m
Maximale Höhe: 2834 m
Anstieg (insgesamt): 406 m
Gefälle (insgesamt): 1715 m

Tag 4: Morgens war klar, es ist T-Shirt Wetter und der Wetterbericht sagte auch für die nächsten Tage nur gutes voraus, also wurden die Regensachen ganz weit unten im Rucksack verstaut. Da wir (aufgrund von fehlenden Übernachtungsmöglichkeiten am Berg) am Tag vorher ins Tal abgestiegen waren hieß es auf der heutigen Etappe wieder jede Menge Höhenmeter nach oben gut zu machen. Wir starteten leicht bergauf, bevor wir abbogen und einem sehr steilen grasbewachsenen Weg herauf folgten. Nach vielen Serpentinen öffnete sich vor uns ein grünes Tal mit Alm an dessen Ende der Großglockner mit seinem Gletscher thronte. Dieser Weg war uns als schöner als der Standardweg beschrieben worden, jetzt wussten wir warum. Unser Weg führte uns an der rechten Seite des Tals stetig nach oben und immer näher an den höchsten Berg Österreich. Zwischendurch, beim Pause machen konnten wir ein Murmeltier ganz der Nähe beobachten, wie es die Blüten der Pflanzen fraß. Unser Ziel war die Stüdlhütte, eine der Ausgangshütten für die Besteigung des Großglockners. Da es wieder gutes Wetter war, war dort viel los, alle wollten auf den Berg. Somit hatten wir das das erste Mal kein Lager für uns alleine. Da wir recht früh an der Hütte waren, machten wir nach einer Pause eine kleine Tour auf die Schere, dem Hausberg der Stüdlhütte. Von dort hat man den besten Blick auf die Gletscher, den Glockner und die umliegenden Berge.  Abends gab es ein großes Buffet, gar nicht Hütten-Like. Gut war es trotzdem.

Fakten:

Dienstag, 4. Juli 2017 08:48 MESZ
Entfernung: 10,8 km
Dauer: 4 Stunden, 52 Minuten und 39 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,2 km/h
Minimale Höhe: 1353 m
Maximale Höhe: 2813 m
Anstieg (insgesamt): 1539 m
Gefälle (insgesamt): 78 m

Fakten Schere:

Dienstag, 4. Juli 2017 14:48 MESZ
Entfernung: 1,3 km
Dauer: 1 Stunden, 6 Minuten und 46 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 1,2 km/h
Minimale Höhe: 2814 m
Maximale Höhe: 3099 m
Anstieg (insgesamt): 293 m
Gefälle (insgesamt): 8 m

Tag 5:  Es ging durch eine Scharte in Richtung Salmhütte. Der Aufstieg über den erdigen Boden war wohl einer der steilsten der Tour. Die Salmhütte hatten wir schnell erreicht. Wir nutzten den Zwsichenstop um etwas zu essen und die Wasservorräte aufzufüllen. Die kleine Salmhütte gehört zu den ältesten Hütten im Aplenraum. Aktuell wird ein Anbau errichtet, der mehr Platz bieten soll. Anschließend ging es weiter in Richtung Glocknerhaus. Da wir wussten, dass der nächste Tag sehr anspruchsvoll werden würde, wollten wir eigentlich keine Umwege gehen. Als wir aber vom Kamm des Berges runter auf das Glocknerhaus blicken konnten (und wir erst Mittags hatten) entschieden wir noch einen Umweg über die Pasterze zu machen.  Die Pasterze ist der größte Gletscher Österreichs und damit natürlich auch ein Touristenmagnet. Dazu trägt bei, dass man den Gletscher bequem über die Großglockner-Hochalpenstraße erreicht. Am Ende der Straße gibt es alles was das Touristenherz höher schlagen lässt. Souvenirshops mit Plüsch Murmeltieren, Ausflugsrestaurants, usw. Nach mehreren Tagen in den Bergen war das ein harter Kontrast. Der Umweg über die Pasterze ist aber trotzdem empfehlenswert. Auch wenn man den Touristenmassen sehr nahe ist, sind nur nur ganz am Ende anderen Besuchern begegnet. Leider war das Glocknerhaus ein Reinfall auf ganzer Linie. Es ist zwar eine Alpenvereinshütte, liegt aber auch direkt an besagter Straße und zielt scheinbar mehr auf Tagestouristen als auf Wanderer ab. Abends war nicht viel los, im Lager waren wir mit einer weiteren Person. Das Personal glich einer Freakshow, ein Großteil war betrunken oder verhaltensgestört. So wurde es aber immerhin nicht langweilig.

Fakten Teil 1:

Entfernung: 10,3 km
Dauer: 3 Stunden, 52 Minuten und 6 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,7 km/h
Minimale Höhe: 2433 m
Maximale Höhe: 2837 m
Anstieg (insgesamt): 496 m
Gefälle (insgesamt): 857 m

Fakten Teil 2:

Entfernung: 9,2 km
Dauer: 2 Stunden, 53 Minuten und 13 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3,2 km/h
Minimale Höhe: 2009 m
Maximale Höhe: 2444 m
Anstieg (insgesamt): 546 m
Gefälle (insgesamt): 857 m

Tag 6: Wir wussten, es würde der längste und härteste Tag der Tour werden. Also standen wir pünktlich um 6 Uhr (früher gab es nichts) zum Frühstück bereit.  Obwohl wir am Abend vorher mehrfach mit dem Hüttenwirt darüber gesprochen hatten, konnte er sich nicht mehr daran erinnern.  Trotzdem verließen wir gegen 6:30 Uhr das Glocknerhaus und machten uns auf den Weg. Schweigend stiegen wir auf über 2600m auf um auf der anderen Seite über einen Gletscher abzusteigen. In der Nacht hatte es gewittert. Die Schneefelder waren spiegelglatt, trotzdem beeilten wir uns, denn wir mussten bis 13 Uhr in Fehrleiten sein, da wir von dort den Bus nach Fusch nehmen wollten. Dort fahren nur ca. 4 Busse am Tag, daher durften wir nicht zu spät kommen. Da wir am selben Tag noch  den Aufstieg zur Gleiwitzer Hütte machen wollten mussten wir den Bus nehmen um nicht zu spät anzukommen.

Nachdem wir den höchsten Punkt hinter uns hatten hieß es nur noch absteigen. Den langsam in der Morgensonne weich werdenden Gletscher konnten wir recht einfach absteigen / runter rutschen. Wir waren so gut in der Zeit, dass wir noch eine Pause in der Trauneralm machen konnten.

In Fusch angekommen waren es 30 Grad. Ab dort ging es steil bergauf. Zum Glück durch Wald und zum Glück kamen wir an jeder Menge Wasserfällen vorbei, an denen wir uns etwas kühlen konnten.  Nach 1344 m Bergauf war dieser lange Tag dann endlich geschafft. Die Gleiwitzer Hütte empfing uns mit kühlen Getränken, leckerem Essen, netten Leuten und wen wundert es, einem Lager für uns alleine.

Fakten 1: Glocknerhaus – Ferleiten

Entfernung: 16,7 km
Dauer: 5 Stunden, 4 Minuten und 31 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3,3 km/h
Minimale Höhe: 1154 m
Maximale Höhe: 2689 m
Anstieg (insgesamt): 713 m
Gefälle (insgesamt): 1687 m

Fakten 2: Fusch – Gleiwitzer Hütte

Entfernung: 8,4 km
Dauer: 2 Stunden, 40 Minuten und 44 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3,1 km/h
Minimale Höhe: 834 m
Maximale Höhe: 2171 m
Anstieg (insgesamt): 1344 m
Gefälle (insgesamt): 7 m

Tag 7:  Wir hatten auf der Gleiwitzer Hütte zwei andere Bergsteiger aus Wien kennen gelernt, die von dort über den Gleiwitzer Höhenweg zum Hohen Tenn aufsteigen wollten.  Da die beiden keine Steigeisen dabei hatten, planten wir unsere letzte Etappe etwas um und gaben ihnen unsere Ausrüstung als sich unsere Wege trennten und wir ins Tal abstiegen. Da die Tour der beiden sehr lang war, machten wir uns schon um 6 Uhr auf den Weg. Es ging über 1100m hoch, der Weg war sehr anspruchsvoll und fast durchgehend seilversichert. Oben angekommen hatten wir eine tolle Aussicht auf den Stausee Mooserboden, bei dem wir gestartet sind und zu dem wir auch wieder abstiegen. Anschließend gönnten wir uns noch eine Nacht in Kaprun, waren in der örtlichen Therme und lecker essen.

Fakten: Entfernung: 11,9 km
Dauer: 5 Stunden, 38 Minuten und 37 Sekunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2,1 km/h
Minimale Höhe: 2040 m
Maximale Höhe: 3069 m
Anstieg (insgesamt): 975 m
Gefälle (insgesamt): 1110 m